Auf ein Wiedersehen

Henrietta Thompson hat zwei Bücher übers Recycling von Möbeln und Kleidung geschrieben. Ein Gespräch mit der Journalistin über Nachhaltigkeit, ihre DIY-Ideen und ihr grünes Herz

NEUES ZUHAUSE: In beiden Büchern von „Mach neu aus Alt“ beschreiben Sie Unmengen von verschiedenen Projekten. Wie sind Sie auf diese Ideen gestoßen? Und was hat Sie inspiriert, diese als Buch herauszubringen?
Henrietta Thompson: Ich treffe häufig Designer, die so geniale Dinge entwickeln: Einfache und geistreiche Sachen aus recycelten Materialien und durch Zweckentfremdung verschiedener Elemente. So entstehen Bananenkisten-Kronleuchter oder Schlüsselbretter aus Badewannenstöpseln. Diese Menschen und Ideen bringen mich zum Lachen und deshalb dachte ich: Ich muss diese wunderbaren Ideen auch anderen Menschen präsentieren – am besten alle zusammen. Nach dem Entschluss für das erste Buch begann jedoch zunächst eine lange Zeit der Recherche. Ich habe jeden gefragt den ich kenne und bat diese wiederum, alle zu fragen, den sie kannten. Bis heute schicken mir Leute immer noch Ideen. Das ist lustig.  

Sie haben so viele inspirierende DIY-Projekten gefunden. Was ist das lustigste, was das praktische und welche haben Sie selbst schon mal nachgemacht?t 
Eins von den verrücktesten ist wohl, wie manche Leute einen alten Tennisball verwenden, um einen Boden zu reinigen. Es ist bizarr, aber man kann damit wirklich Kratzspuren loswerden. Eine praktische zeigt, wie aus einem Magazinhaufen ein Hocker werden kann. Oder ein weiterer Favorit: wie aus zwei Terrakotta-Töpfen, Sand und Wasser ein Kühlschrank werden kann – ganz ohne Strom. Und etwas das ich selbst ausprobiert habe? Mhhh...eine stromsparende „Slow-cooking-Methode“. Und zwar packt man den Topf nachdem der Inhalt kurz gekocht hat in Zeitungspapier und bewahrt ihn dort auf. Dort wird langsam alles gar. Ganz einfach – eine Kochmethode aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Haben Sie persönlich eigentlich ein grünes Herz?
Nachhaltigkeit bedeutet für mich mehr als Umweltschutz und Ressourcenschonung. Es umfasst auch viele soziale Themen, und es kann auf unterschiedlichen Plattformen und verschiedenen Ebenen betrachtet werden. Ich denke, Design kann eine große Rolle bei der Schaffung einer nachhaltigeren Welt spielen. Denn auch die benutzten Materialien, Prozesse und die Herstellung der Produkte sind wichtig.  

Was denken Sie? Sollte es für Designer wichtig sein, nachhaltig zu denken? Glauben Sie wirklich das Eco-Design einen Unterschied machen kann
Natürlich! Designer sind an fast allem beteiligt, mit dem wir uns umgeben: der Stuhl auf dem Sie sitzen, den Computer den Sie benutzen. Die Entscheidungen der Designer bewirken eine Menge. DIY-Design ist allerdings nur ein sehr kleiner Teil davon. Aber die größere Bedeutung dessen zeigt, dass es immer mehr Menschen wichtig ist, Dinge selbst zu erschaffen und Verantwortung für die eigene Umgebung zu übernehmen.  

Der Nachfolger von „Mach neu aus Alt“ dreht sich um Klamotten und Accessoires. Was können wir von dem zweiten Band erwarten?
Wie man aus einem Kissen einen Rock machen kann. Und ganz viele andere Sachen. Es war so faszinierend, als ich angefangen hatte zu recherchieren, aus was man alles Kleidung fertigen kann. Außerdem wird Öko-Mode immer trendiger und die Möglichkeiten sind viel größer, als noch vor einigen Jahren.  

Welche Tipps können Sie Interessierten geben, die anfangen wollen, ihre Klamotten aus recycelten Materialien selbst zu schneidern?
Plant gut, bevor eine Schere in die Hand genommen wird. Und man sollte nicht immer nur in radikalen Schritten denken: Es gibt tausende kleine Möglichkeiten etwas zu verändern.  

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Ich mag skandinavisches Design sowohl zu Hause als auch in meinem Kleiderschrank. Keine Ahnung, warum! Aber ich versuche nicht jeden Krempel zu kaufen, sondern nur Stücke die ich wirklich liebe und die mich beim Ansehen glücklich machen.  

Wagen wir einen Blick in die Zukunft. Wird es einen dritten Teil von Mach neu aus Alt geben“? Und wenn ja um welches Thema wird es sich drehen?
Weiß ich noch nicht, vielleicht! Ein Kochbuch wäre doch lustig. Was meinst Du?  

Letzte Frage: Was sind Ihre Lieblings-Eco-Design und DIY-Blogs?
www.etsy.com, www.treehugger.com, www.good.is 

Zur Person: Henrietta Thompson lebt in London und Barcelona. Die Journalistin, Autorin und Kuratorin schreibt hauptsächlich über Design, Technologie und Architektur für Magazine wie Monocle und Wallpaper. 


FOTOS: Henrietta Thompson; Edel Verlag

Wohnblog

Auf den zweiten Blick

Henrietta Thompson stellt in ihrem Ratgeber interessante Recycling-Projekte vor - auch zum Selbermachenmehr...

Wohnblog

Müll mit Stil

Henrietta Thompson hat es noch mal gewagt: In ihrem neusten Ratgeber stellt die englische Journalistin Upcyclingideen für Kleidungsstücke und Accessoires vor.
mehr...

Aus alt mach neu

Aus Alt mach Neu

Aus Altholz, einzelnen Schubladen und Polsterresten lassen sich originelle Einrichtungsstücke gestaltenmehr...

Hier bloggt Stefanie Wille

Obstkisten als Regal, leere Flaschen als Lampe und Holzclogs als Schlüsselbrett – bei Möbeln ist sie  erfinderisch und liebt den Shabby-Chic. Jederzeit auf der Suche nach neuen Trends und Stilen, saugt sie alles Neue auf, was im Entferntesten mit ungewöhnlichen Einrichtungsideen zu tun hat.

Newsletter

Einmal im Monat alle Neuigkeiten kostenlos per E-Mail.

Gewinnspiel

Jetzt mitmachen!

Nach dem Umzugsstress der letzten Wochen wird es Zeit für ein Verwöhnprogramm. Wir hätten da was für Sie  mehr...