Frisches Design an Bord

Premiere: Die Berliner Messe Qubique zeigte internationales Möbeldesign

Eine Messe für Möbel und Design ist an sich nichts Neues. Die Qubique, die vergangene Woche erstmals in den Hangars des ehemaligen Flughafengeländes Berlin Tempelhof stattfand, hebt sich von den altbekannten Möbelmessen jedoch ab. Jünger, frischer und mehr auf Unterhaltung ausgerichtet als etwa die alte Dame „imm cologne“ will sie sowohl Händlern als auch Designliebhabern jede Menge Inspiration bieten. 

Die Veranstalter hatten sich im Vorfeld viele Gedanken darüber gemacht, wie ein zeitgemäßes Konzept einer Messe aussehen kann. Die alte Flughafenarchitektur in Tempelhof bot dafür den passenden nostalgisch-ungewöhnlichen Rahmen, der von den Machern auf kreative Weise genutzt wurde. So wurden die Messebesucher schon in der Abflughalle gegenüber der Check-in-Schalter, in den früheren gläsernen Reisebüropavillons vom „Gallery Walk“ begrüßt, einer kleinen, aber feinen Designshow von einigen unabhängigen, internationalen Designgalerien.

Auf dem Weg zu den zu Messehallen umfunktionierten Hangars luden Media-Gates zum Blättern und Lesen in Designmagazinen ein. Zwei große Art-Déco-Spiegelzelte auf dem Rollfeld sorgten als Restaurants für die kulinarische Erweiterung und für einen Kontrast zum loungigen Brasserie-Podest inmitten der Ausstellung. Langweilen sollte sich auf der Qubique keiner. Keine schnöde Verkaufsmesse wollte sie sein, sondern ein Event. Gesprächsrunden (Designers Talk, siehe Foto unten) mit illustren Gästen aus der Designwelt wie Konstantin Grcic, Sebastian Wrong, Hella Jongerius oder Thomas Demand, Partys, Konzerte, Ausstellungen, eine Auktion, Dinner und Lichtinstallationen standen auf dem Programm. Ein Konzept, das gut ankam: Schon Tage vor Messebeginn waren die Abendveranstaltungen ausgebucht. 

Im eigentlichen Ausstellerbereich lag der Fokus auf hochwertigen internationalen Marken wie Foscarini, Thonet, Normann Copenhagen, Vitra oder Established & Sons, aber auch Hersteller, die sich auf nachhaltige Möbel spezialisiert haben und Newcomer konnten sich präsentieren. All zu viel neue Designideen gab es für die Messebesucher hier jedoch leider nicht zu entdecken. Die meisten Aussteller setzten auf Klassiker und Neuauflagen von Altbewährtem.

Ausnahmen boten die Entwürfe junger Künstler, etwa von der Berliner Designplattform „Create Berlin“. Wahrscheinlich hatten sich die weiteren Innovationen der Qubique in der „Black Box“ versteckt. Im schwarzen Kasten in Hangar 6 wurden Prototypen für Designstücke vorgestellt, die es noch nicht auf dem Markt geschafft haben. Doch das gemeine Publikum hatte keine Chance, einen Blick auf diese brandneuen Ideen zu erhaschen: Nur Hersteller erhielten in die „Black Box“ ( siehe Foto unten) Einlass.

Ein Highlight für Freunde der besonderen Form war der Bereich „Ventura Berlin“ (siehe Foto unten). Kuratiert von den kreativen Köpfen hinter „Ventura Lambrate“, die seit zwei Jahren während der Mailänder Möbelmesse Einblicke in zeitgenössisches Design bieten, wurde allerhand Außergewöhnliches präsentiert – von Lampenschirmen aus Schwanenfedern über Objekten aus Industriematerialien bis hin zu Bärenfellen aus Wollbommeln. Unter anderem war hier auch der „Empty Chair“ zu bewundern, den Designer Maarten Baas für die Menschenrechtsorganisation Amnesty International entworfen hatte. 

Wer es verpasst hat, kann sich schon jetzt aufs nächste Jahr freuen. Im Oktober 2012 geht die Messe in die zweite Runde.

FOTOS: Beate Scheder, Qubique  

Hier bloggt Beate Scheder

Zum Studium des Kulturjournalismus zog Beate Scheder nach Zwischenstationen in Münster und Hamburg im Jahr 2008 nach Berlin. Dort lebt sie – wie es sich für eine Wahl-Kreuzbergerin gehört – im Altbau mit Dielenboden und hoher Decke. Als freie Autorin schreibt sie über schöne und weniger schöne Kunst und Wohnungseinrichtungen, über Menschen, Moden und Marotten.

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