Fundstück der Woche

Unsere Wohnbloggerin Thordis Rüggeberg hat in die hintersten Ecken ihres Bücherregals geschaut – und eine kleine Perle zum Thema „Kamin“ zutage gefördert

Es wird früh dunkel, und kalt und ungemütlich ist es auch. So ein warmer, knisternder Kamin, das wäre eine feine Sache – aber in meiner Wohnung bietet sich das nicht an. Also wird stattdessen Tee gekocht, eine Decke über die Knie gelegt und in alten Büchern gestöbert. Sieh an, was haben wir denn da?

„Das neue Kaminbuch“ von Louis Manque (Verlag A. & G. De May, Düsseldorf/Lausanne) ohne Jahr. Vermutlich ist der Schmöker in den 60er Jahren erschienen. Es macht Spaß, sich Vorstellungen vom schönen Wohnen aus vergangenen Jahrzehnten anzuschauen. Das ein oder andere kennt man noch aus seiner Kindheit. Manches wurde inzwischen wiederentdeckt, es erlebt unter dem Etikett „Retro“ eine Renaissance. Mit einigen unkommentierten Textauszügen und ein paar Fotos aus diesem Buch lasse ich auch andere gerne an meiner Entdeckung teilhaben. Egal, ob Sie Kaminbesitzer sind oder nur davon träumen: Viel Vergnügen!

„Über den Betrieb des offenen Kamins nur einen Satz: Er ist bei uns nie die einzige Wärmequelle im Haus, so spielt es keine Rolle, dass die Anlage ziemlich unrentabel arbeitet und der Wärmewirkungsgrad nur bei 10 bis 20% liegt. Sie soll ja vor allem eine Quelle des Behagens sein.“

„Unzweifelhaft ist der Kamin Brennpunkt des Raumes. Es muß genügend Platz für bequeme Sessel, Sofas oder Liegen in der Nähe sein. Eine Tür im Blickfeld schränkt die Behaglichkeit stark ein, weil sie den Gedanken an das Draussen weckt und eine ständige unbewußte Unruhe schafft.“

„Wichtig sind beim offenen Kaminfeuer ausser dem Heizwert auch Farbe und Form der Flamme und Geruch des Holzes. (…) Man kann die Flammen auch färben. Mit einfachem Kochsalz werden sie leuchtend gelb, mit Strontiumchlorid kräftig rot. Kupferchlorid bringt bei verschiedenen Hölzern bis zu sechs Farben, wobei blau und grün überwiegen. Diese Chemikalien werden einzeln oder gemischt direkt in das Feuer gestreut, oder man tränkt das Holz vor Verwendung mit ihrer Lösung. Ein kleiner Trick der modernen Chemie hilft, die Dämmer- und Träumstunde vor den zuckenden Flammen noch anziehender zu machen.“

„Zum Schluß sei noch die vertrackte und schwer zu beantwortende Frage gestellt, warum wir Menschen des Raumfahrtzeitalters uns an wirklichen Flammen in Zyklopengemäuer freuen möchten, wo wir doch auf Knopfdruck thermostatisch gesteuerte Fernheizung haben können. - Es bedarf hier keiner Antwort. Der Leser hat sie mit dem Aufschlagen dieses Buches schon für sich gegeben. Es wird seine Liebe zu dem, was echt und von Natur gegeben ist, auf den folgenden Bilderseiten - hoffentlich – bestätigt finden.“

  • Kamin 1  

    Der flimmernde Fernseher gilt als Lagerfeuer der Neuzeit. Also  befinden sich quasi zwei Kamine auf diesem Bild.

  • Kamin 2  

    Das hier erinnert mich an diese Märchen-Schaufenster auf dem Weihnachtsmarkt.

  • Kamin 3  

    Zwei Sofas, ein Sessel, ein massiver Steinkamin mit Markise -  und das alles auf gefühlten 12 Quadratmetern.

  • Kamin 4  

    Vielleicht ist es das, was der Autor unter "Zyklopengemäuer"  versteht.

  • Kamin 5  

    Das könnte auch ein Foto aus der aktuellen "Wallpaper" sein.

  • Kamin 6  

    Hier hat man nicht nur gerne ein gemütliches Feuerchen, sondern auch Verständnis für moderne Kunst.

  • Kamin 7  

    Man beachte: hier wird das Feuerholz für schlechte Zeiten unter  der Decke gelagert.

  • Kamin 8  

    Zuhause bei Madmans. Klar darf hier im Wohnzimmer geraucht werden!

  • Kamin 9  

    Mehr ist mehr, sage ich gerne. Ob ich bei myhammer.de jemanden finde, der mir meine Neubauwohnung im Gewölbestil verputzt?

  • Kamin 10  

    Hat irgendwie den Charme eines Jugendtreffs...

  • Kamin 11  

    Sieht aus wie eine Dunstabzugshaube, dekoriert mit Holz-Ikebana. Durch den TÜV kommt diese Konstruktion vermutlich nicht.

  • Kamin 12  

    Wer hier auf dem Fell sitzt, wird nicht nur gewärmt, sondern auch optimal gegen Vampire geschützt.

FOTOS: Fotolia, Verlag A. & G. De May, Düsseldorf/Lausanne

Hier bloggt Thordis Rüggeberg

Friedrich Engels, Pina Bausch, die Schwebebahn und Thordis Rügge- berg haben eins gemeinsam: sie stammen alle aus Wuppertal. Nach abgeschlossenem Kunststudium mit Schwerpunkt Fotografie zog die leidenschaftliche Kuchenbäckerin und Tüftlerin 1997 nach Hamburg und arbeitet dort seitdem als frei- berufliche Fotografin.

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