Vier Stunden brauchen Männer, fünf Frauen – und sechs nur Dummköpfe. Das jedenfalls soll Kaiser Napoleon über das menschliche Schlafbedürfnis gesagt haben. Schlafexperte Markus Kamps ist anderer Meinung. Das wollten wir genauer wissen.
NEUES ZUHAUSE: Wie viele Stunden sollte der Mensch pro Nacht schlafen?
Markus Kamps: Das ist nicht pauschal zu beantworten. Wir müssen nicht lange und tief schlafen, um ausgeruht aufzustehen. Während der Nacht wechseln sich Tiefschlaf- und Dämmerschlafphasen ab. Effektiver Schlaf hat vor allem mit der Qualität zu tun. Ideal ist es, in der Dämmerschlafphase aufzuwachen. Diese kann man vor dem Schlafen bestimmen: einfach vom Weckerklingeln in 90-Minuten-Schritten zurückrechnen. Das heißt: Man muss zirka 4 ½, 6 oder 7 ½ Stunden vor dem Aufstehen schlafen gehen, oder man benutzt einen Schlafphasenwecker.
So weit, so gut. Aber was mache ich, wenn ich nicht ein- oder durchschlafen kann?
Das kann daran liegen, dass Sie mit Ihrer Matratze, mit dem Lattenrost, Bett, Kissen oder der Zudecke falschliegen. Das häufigste Problem ist jedoch das Grübeln. Dagegen hilft, die Gedankenkette zu unterbrechen. Mein Tipp: Nehmen Sie sich schon mittags Zeit, den halben Tag Revue passieren zu lassen. Vor dem Zubettgehen können Sie eine Art Tagebuch schreiben. Unterteilen Sie ein weißes Blatt in drei Bereiche: Darauf notieren Sie je drei positiv erlebte Dinge, drei negative sowie drei Dinge, die Sie am nächsten Tag erledigen wollen.
Kann ein optimal eingerichtetes Schlafzimmer gesunden Schlaf fördern?
Ja, ein schöner Raum, in dem man sich wohlfühlt und entspannen kann, ist unerlässlich. Die meisten unterschätzen das und wählen als Schlafzimmer den kleinsten oder sogar einen dunklen Raum zur Straße hin. Anders ist das bei Kinder- und Jugendzimmern, da sich die Kinder dort zeitlich länger aufhalten. Grundsätzlich sollte das Schlafzimmer ruhig gelegen sein – das gilt auch bei geöffneten Fenstern. Ein Ruheraum ist auch keine Rumpelkammer – das heißt: Computer, Aktenordner oder Schmutzwäsche haben dort nichts zu suchen.
Und wie wähle ich die beste Matratze für mich aus?
Die eine optimale Matratze für alle gibt es nicht. Jeder Mensch ist schon vom Körperbau und von den Körpermaßen individuell. Was für den einen gut ist, kann für den anderen schlecht sein. Als Faustregel gilt jedoch: Die perfekte Matratze sollte Körpergröße plus 20 Zentimeter lang und mindestens einen Meter breit sein. Wie finde ich heraus, wie ich mich am besten betten sollte? Es gibt drei Ansätze der Beratung: preis-, material- oder gesundheitsorientiert. Möchten Sie, dass ein Experte auf Ihre Bedürfnisse, Anatomie und Beschwerden eingeht, müssen Sie mindestens ein-einhalb Stunden in einem guten Bettenfachgeschäft verbringen. Weitere Auskünfte gibt die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Medizin.
Illustration: Almut Jehn / Interview: Stefanie Wille


