Bodenschatz:

Linoleum - neu entdeckt

Lange galt Linoleum als langweiliger Bodenbelag in Behörden und Turnhallen – völlig zu Unrecht. Den öko-logischen Klassiker gibt es in modernen Designs und praktischem Klickmechanismus zum Selbstverlegen

Schluss mit Kleben

Wer Linoleum nicht als Meterware umständlich kleben will, hat die Auswahl zwischen Paneelen und Fliesen – beides ist schnell und einfach per Klicksystem zu montieren

Der Bodenbelag in einem Kranken-haus und ein blühendes Flachsfeld haben nichts gemeinsam? O doch! Leinöl wird aus den Samen der Flachspflanze gewonnen und bildet neben Korkmehl, Kreide und Naturharz den Grundstoff zur Herstellung von Linoleum. Lange als nüchterner Boden im öffentlichen Raum verrufen, feiert der Klassiker sein verdientes Comeback. Seine Vorteile: Er ist umwelt-
schonend, hygie­nisch, dazu antistatisch, fußwarm und lange haltbar – bei richtiger Pflege durchaus zwischen 20 und 30 Jahre.

Keine graue Maus mehr

Mittlerweile bieten zahlreiche Hersteller eine breite Palette an Farben und Dekoren – darunter mehrfarbig marmorierte Varianten ebenso wie einfarbige oder Baukastensysteme, mit denen sich indi- viduell gestaltete Motive legen lassen. Gute Qualität gibt es ab 40 Euro/qm. Die Zeiten, in denen Linoleum nur von der Rolle zu haben war und mühsam verklebt werden musste, sind vorbei. Außer Bahnenware werden Paneelen oder Fliesen angeboten, die wie Laminat oder Parkett per Klicktechnik zusammengesetzt werden

(„Linoklick“ etwa erhielt bei „Ökotest“ die Note „sehr gut“). Dank einer Holzfaser-
Trägerplatte und Korkschicht ist der Boden trittschall-
dämmend. Während Rollenware in meh- reren Arbeitsgängen verlegt wird und Fugen dabei mit einem Handschweißgerät gegen eindringende Feuchtigkeit verschlossen werden müssen, klinkt man den Klick-Fertigboden per Nut- und Federverbindung leimlos ineinander. Vorteil: Er ist sofort belastbar. Bei Auszug kann der Boden beschädigungsfrei ausgebaut und neu verlegt werden.

Nichts fürs Badezimmer

Auch für Fußbodenheizung ist der Allrounder prima geeignet. In einigen Bereich-
en allerdings kann er keinen Boden gutmachen: In Feuchträumen wie Bad und Keller hat Linoleum nach wie vor nichts zu suchen, weil es dort aufquellen kann.

So geht's


Dank Klicksystem muss man kein Profi sein, um Linoleum zu verlegen. Hier die Do-it-yourself-Schritte im Überblick

1. Ran an die erste Reihe


An den Dielen für die erste Reihe die untere Nutwange um das über die Deckfläche hinausragende Teil kürzen. Klicken Sie diese Dielen mit Schlagholz und Fäustel seitlich ein, dann die erste Dielenreihe mit Abstandskeilen exakt ausmessen. Mindestabstand zur Wand: 10 mm.

2. Klick für Klick


Beginnen Sie, mit dem Reststück der letzten Diele der ersten Rei­he die zweite zu verlegen – schräg einsetzen und mit Schlagholz und Fäustel einklicken. Die Querfugen der Dielen von Reihe zu Reihe müssen mindestens um 15 cm versetzt sein.

3. Hindernisse umschleifen

Holztürzargen und Türblätter um die Höhe des Fußbodens kürzen. Bei Heizungsdurchbrüchen die Diele am Stoß ausklinken und mit Heizkörper-
Rosetten abdecken

Extra-Tipp

Ein pflegeleichter Freund

Linoleum ist von Natur aus strapazierfähig. So halten Sie den Boden dauerhaft sauber

4. Die letzte Reihe

Auf die zuletzt verlegte Reihe die nachzusägende Diele legen. Mittels einer Weiteren den Längsschnitt markieren. Die letzte Reihe mit dem Zugeisen längs- und mit Schlagholz stirn-
seitig zusammentreiben.

5. Leisten anbringen

Zum Schluss Sockelleisten, Übergangsschienen und Abdeckmanschetten montieren. An Filz- gleiter z. B. für Stühle und Tisch denken.

1. Mit einem Wisch ist (fast) alles weg

Grundsätzlich genügt es, Linoleum zu staubsaugen und feucht zu wischen – am besten mit einem spezi-ellen pH-neutralen Linoleum-Pflegemittel. Achtung: Verwenden Sie keine aggressiven und glycerinhaltigen Mittel – diese können die Oberfläche angreifen. Finger weg auch von Schmierseife!

2. Porentief rein

Hartnäckige Flecken können Sie vorsichtig mit Terpentin entfernen. Ein Mix aus Milch und Wasser sorgt für Glanz, Leinöl für Geschmeidigkeit. Einmal im Jahr sollten Sie den Boden per Intensivkur reinigen. Ein handelsüblicher Grundreiniger entfernt dabei alte Pflegeschichten und hartnäckigen Schmutz.

3. Der Profi muss ran

Brandspuren von Zigaretten können Sie selbst mit feinem Schleifpapier behandeln. Das Abschleifen von größeren Beschädigungen aber sollte man immer dem Spezialisten überlassen.