Mieten oder Kaufen

Haben Sie das Zeug zum Hauseigentümer?

Die eigenen vier Wände müssen kein Wunschtraum bleiben. Überprüfen Sie Ihre Lebenssituation und rechnen Sie die Finanzierung einer Immobilie unverbindlich durch. Wir sagen, worauf Sie dabei achten sollten

Sie möchten nach Belieben Löcher in Ihre Badkacheln bohren oder die störende Wand zwischen Küche und Essplatz wegreißen? Kein Problem – wenn Ihnen Wohnung oder Haus ge-
hören. Kein Vermieter muss erst sein Einverständ-
nis geben. Auch Mieterhö-
hungen müssen Sie nicht mehr fürchten. Auf dem Weg zum Wohneigentum gibt es allerdings einiges zu beachten. „An Kaufpreis und Bauzins denken die meisten zuerst“, sagt Christian Schmid-Burgk von der Verbraucherzentra-
le Hamburg. „Unterschätzt wird jedoch fast immer die

Frage des Standorts.“ Dabei zeigt die demogra-
fische Entwicklung noch immer: Viele ziehen vom Land in die Stadt, im Trend liegen nach wie vor Groß-
städte wie Hamburg, Berlin und München. Mag im idyllischen Vorzeigedorf die perfekt sanierte Jugendstil-
villa auch noch so verlock-
en: Ein Wertzuwachs ist nicht zu erwarten. Im Ge-
genteil, wer unbedingt aufs Land ziehen möchte, sollte Verluste einkalkulieren.

Stadt oder Land?

Auf lange Sicht rechnet sich der Erwerb in einer wachs-
tumsstarken Region eher, auch wenn ein höherer Preis gezahlt werden muss. Der Experte: „Eigentlich ist es ganz einfach: Je attraktiver die Lage, desto eher steigt der Wert der Immobilie bzw. bleibt zumindest stabil. Dazu gehört auch eine vernünftige Infrastruktur mit guter Ver-
kehrsanbindung, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und Ärzten.“ Günstige Angebote in abgelegenen Gegenden sind verlockend. Aber viele unterschätzen die Kosten, die daraus entstehen. Wer mit seiner Familie auf dem Dorf lebt, braucht vermutlich

zwei Autos – das ist kost-
spieliger als eine Monats-
karte für den öffentlichen Nahverkehr. Ganz weit oben auf Schmid-Burgks Check-
liste steht auch der Energie-
verbrauch von Haus oder Wohnung. Sein Rat: „Um sich über die Energiekos-
ten ein Bild machen zu kön-
nen, lassen Sie sich den Energiepass und die bishe-
rigen Abrechnungen mit den Energieversorgern geben. Wer Dämm- Maßnahmen durchführen will, sollte einen Energieberater hinzuziehen.

Wann sollte man kaufen?

Laut Statistik ist der „typische“ Immobilienkäufer jenseits der 35 und beruflich angekommen. Schmid-

Burgk: „Die persönliche Si-
tuation sollte stabil und der Arbeitplatz sicher sein. Da der moderne Arbeitsmarkt räumliche Flexibilität ver-
langt, muss man sich über-
legen, ob auch der eigene Arbeitgeber einen Standort-
wechsel verlangen könnte.“ Denn ist man gezwungen, seine Immobilie vor Ablauf von zirka zehn Jahren zu verkaufen, entstehen schnell Verluste. Die Nebenerwerbs-
kosten betragen zehn bis zwölf Prozent des Kaufprei-
ses und sind unwiederbring-
lich verloren.

Wichtig: Bauchgefühl

Kein Kriterium für den idealen Zeitpunkt ist die Zins-
entwicklung. Banken unter-

breiten gern mal „Greifen Sie jetzt unbedingt zu“-Angebote, die Käufer zeitlich unter Druck setzen. Aber: Die Kreditkosten sind seit Jahren stabil und liegen derzeit bei zirka fünf Prozent. Es macht deshalb keinen Sinn, auf sin-
kende Zinsen zu spekulieren. Lassen Sie Ihren Bauch mitentscheiden, Emotionen spielen beim Hauskauf eine ganz wichtige Rolle. Wer unbedingt in seinem eigenen Reich leben möchte, wird das Geld dafür auch gern ausgeben. Vom Vermieter unabhängig zu sein, ist für viele Menschen ein enorm beruhigendes Gefühl.


Hier können Sie sparen

Immobilienkauf nach Plan

Viele Wege führen zum Eigenheim. Mit diesen Modellen könnten Haus oder Wohnung für Sie erschwinglicher werden


Private Baugemeinschaft

Schließen sich mehrere Bauwillige zusammen, lässt sich viel Geld sparen. Außerdem ist man von der Planung bis zur Fer-
tigstellung am Projekt beteiligt und kann sich seine Nachbarn aussuchen – damit man anschließend vor unliebsamen Nachbarschaftsstreitigkeiten sicher ist.

Zwangsversteigerung

Des Verkäufers Leid, des Käufers Freud: Eigentumswohn-
gen kosten im Schnitt 65 bis 75 Prozent des Verkehrswert-
es, Einfamilienhäuser zwischen 75 und 90 Prozent. Aber: Auf eine Versteigerung muss man sich sehr gut vorbereiten. Eine vorherige Besichtigung mit einem Baufachmann ist unerläss-
lich. Prüfen Sie die Versteigerungsakte mit wichtigen Informa-
tionen über den Zustand des Hauses. Und vereinbaren Sie Im Vorfeld ein Gespräch mit der Gläubigerbank.

Verwandtenkredit

Eine weitere Finanzierungsmöglichkeit: Eltern leihen ihren Kindern Geld. In diesem Fall kassiert keine Bank Zins und Provisionen. Aber denken Sie auch an folgende Szenarien: Was, wenn die Eltern ihr Geld vorzeitig zurückfordern? Oder Sie nicht zahlen können? Machen Sie auf jeden Fall einen schriftlichen Vertrag und einigen Sie sich auf einen Zins, der beiden Seiten entgegenkommt, also zwischen durchschnitt-
lichem Anlagezins und Bauzins. Dieser Kredit sollte nur ein Baustein im Finanzierungskonzept sein.

Das sollten sie wissen

„Wohn-Riestern“ – für wen sich die staatliche Förderung lohnt


Riester-Zulagen

können ab sofort für die Finanzierung einer Immobilie genutzt werden. Bernd Neuborn von der BHWBausparkasse erklärt: „Wer eine Immobilie baut oder kauft, kann die Riester-Förderung sofort zur Tilgung seines Baudarlehens verwenden. Voraussetzung: Die staatlichen Zulagen werden auf dem Darlehenskonto gebucht.“

Bausparverträge

Wer in Zukunft bauen oder kaufen will, sollte die Riester-Zulagen für die Ansparung eines Bausparkontos nutzen Das ist ein guter Grundstock für eine solide Baufinanzierung.

Riester-Vermögen

Vorhandenes Riester-Vermögen, zum Beispiel aus einer Rentenversicherung, kann ebenfalls zum Bau oder zur Anschaffung einer selbst genutzten Wohnung eingesetzt werden. Dabei ist zu beachten, dass bei Altverträgen (Abschluss vor dem 01.01.2008) mindestens 10.000 Euro angespart sein müssen. Dieser Betrag wird als Eigenkapital anerkannt.

Hypothekendarlehen

können mit der Riester-Förderung ebenfalls abbezahlt werden. Voraussetzung: Die Immobiliemuss in naher Zukunft gekauft oder gebaut und als Eigenbedarf genutzt werden. Die staatlichen Zulagen werden als Sondertilgungen auf dem Darlehenskonto gebucht.