Lars Opitz ist eigentlich Kameramann. Feng Shui hat ihn schon immer interessiert, darum hat er sich vor acht Jahren im renommierten Institut für integrales Feng Shui und chinesische Astrologie in der Schweiz zum Feng Shui-Berater ausbilden lassen. Unter www.fengshuist.de bietet er Beratungen für Firmen und Privatpersonen an. Wir sprachen mit ihm über die Kraft von Feng Shui.

Herr Opitz, was ist Feng Shui?
Feng Shui ist eine chinesische Energielehre. Es ist eine Kunst und eine Wissenschaft mit seiner Umgebung in Harmonie zu leben und möglichst viel kosmische Energie aufzunehmen für Erfolg, Gesundheit (und spirituelles Wachstum). Feng heisst Wind. Damit sind alle nicht materiellen Einflüsse auf die menschliche Behausung wie Sterneneinflüsse gemeint, aber auch ganz wörtlich der Wind. Shui heisst Wasser, meint wirkliches Wasser und die gesamte physische Land- und Nachbarschaft. Feng Shui trägt dazu bei, Probleme im Wohn- und Arbeitsbereich des Menschen auf der physischen und energetischen Ebene zu lösen, indem eine auf allen Ebenen harmonische Umgebung geschaffen wird. Feng Shui geht davon aus, dass in der natürlichen, ursprünglichen Umgebung 100 Prozent Chi (kosmische Energie) vorhanden sind. Diese Energie ähnelt in ihren Eigenschaften dem Wasser. Sie findet immer einen Weg, ist faul, geht z. B. nicht gerne Treppen nach oben und wird gut von Licht und Aufmerksamkeit geleitet. Mit Feng Shui kann man diese Energie lenken. In einer zivilisierten Umgebung sind nicht mehr 100 Prozent vorhanden. Man muss schauen, wie viel Energie noch übrig ist und wie man diese optimal für sich lenkt.
Das heißt, wenn ich jetzt weit oben in einem Haus wohne, ist es eher schlecht?
Schlecht möchte ich das nicht nennen. Die Chinesen sagen: 80 Prozent der Energie kommt durch die Türe und 20 Prozent durch die Fenster. Und natürlich ist es ganz oben in einem Haus schwerer, dieselbe Menge an Energie zu bekommen wie in einer Erdgeschosswohnung. Obwohl man das so pauschal nicht sagen kann. Normalerweise gibt es effiziente Liftsyteme, die das Chi nach oben transportieren und diesen Nachteil ausgleichen. Wer weit oben wohnt und keinen Lift hat, sollte darauf achten, ein helles, freundliches Treppenhaus zu haben. Etwas Einladendes und keinen dunklen, verwinkelten Gang.
Wie wirkt sich dieses Chi auf den Menschen aus?
Positiv. Wenn man jung und gesund ist, ist man nicht so abhängig von externer Energie, dann hat man noch viel eigene Energie in sich und kann viele Einflüsse kompensieren. Wenn man aber ein Problem hat, dann ist es gut, wenn möglichst viel von dieser kosmischen Energie, von diesem Chi, zu bekommen.
Chi ist also etwas, was mich vitalisiert, was mir Kraft gibt?
Es ist eine Kraft. Vitalisierend ist es auch, das würde ich aber nicht als Definition nehmen. Hier kommen wir eher in den Bereich der menschlichen Aura, die durch Chi gestärkt wird. Eine starke Aura hilft auch unserem physischen Körper leichter durch das Auf und Ab des Lebens zu kommen.
Viele halten Feng Shui für Esoterik...
Feng Shui ist keineswegs Esoterik, es wird von manchmal, leider auch von Beratern in diese Ecke geschoben. Es hat sich in China über ein paar Jahrtausende entwickelt, erste schriftliche Überlieferungen datieren 25 nach Christus. Feng Shui ist eine empirische Lehre, das heißt man hat über Jahrtausende beobachtet, was mit A passiert, wenn B so ist. Es gibt genau festgelegte Formeln, nach denen ausgemessen und gerechnet wird.
Seit wann kennt man Feng Shui in Europa?
Feng Shui ist etwa zehn Jahre nach der Akupunktur gekommen. Als die Leute begriffen haben, dass es im Körper noch einen anderen Kreislauf als den der Lymphe und des Blutes zu geben scheint. Jemand hat Kopfschmerzen und versucht alles Mögliche, wird akupunktiert und dann vom Schmerz befreit. Und Feng Shui ist Akupunktur für Räume, ohne dass man den Menschen dabei anfasst. Ich mache nichts an dem Menschen, ich mache nur an seiner Umgebung etwas. Wenn in den 80er Jahren die Akupunktur nach Europa gekommen ist, dann wird es in den 90ern Feng Shui gewesen sein. Feng Shui ist wie die Akupunktur über Amerika gekommen. Ein paar wissende Chinesen und Taiwanesen sind in die USA geflohen und haben dort ihr Wissen verbreitet. Und über diesen Umweg USA ist es dann zu uns gekommen.
Gibt es Grundregeln beim Feng Shui?
Ein wichtiges Grundprinzip von Feng Shui ist Struktur, eine gewisse Ordnung in der Umgebung. In einer Messie-Wohnung können Sie soviel Feng Shui machen, wie Sie wollen, es wird nie optimal funktionieren. Ihr Innen ist Ihr Außen und Ihr Außen ist Ihr Innen. Außen und Innen beeinflussen sich gegenseitig. Es ist schwierig Grundregeln festzuschreiben, gut ist, wenn die Wohnungen keine Winkel kleiner 90 Grad haben, grundsätzlich ist Weite und Licht förderlich, in- und außerhalb des Hauses. Tür-Fensterlinen, Fenster bis zum Boden, Glas auf Glas in den Ecken und durchsichtige Treppen sind z. B. nicht so gern gesehen. Das Horoskop der Bewohner spielt auch eine wichtige Rolle. Und je nach dem verändere ich einen Raum. Das heißt, ein Raum, der für mich optimal ist, der muss es für Sie nicht sein.
Das ist dann bestimmt schwierig, wenn eine ganze Familie zusammen wohnt...
Das ist auch der Grund, warum eine Feng Shui-Beratung für eine Familie komplizierter ist. Grundsätzlich lautet die Devise: Nähret die Wurzeln. Das heißt, man orientiert sich an den Eltern und versucht einen Kompromiss zu schließen. Wenn für die Mutter die Hauseingangsrichtung optimal ist, dann soll der Vater im Schlafzimmer die optimale Richtung bekommen. Man versucht da einen Ausgleich zu schaffen.
Wenn ich in einer Mietwohnung wohne, bin ich ja ein bisschen beschränkter in meinen Möglichkeiten...
Das ist man immer. Selbst wenn Sie ein Haus bauen und einen guten Feng Shui-Berater haben, gibt es immer Zonen im Haus, die nicht optimal sind. Als guter Feng Shui-Berater versucht man dann, dorthin die Abstellkammer oder das Klo zu legen. Orte, an denen man nicht regelmäßig oder nicht lange ist. Es geht immer um eine Optimierung. Es geht immer darum, unter den gegebenen Umständen das Beste herauszuholen.
Das hört sich jetzt alles ziemlich kompliziert an...
Grundsätzlich ist Feng Shui einfach. Wie das Yin und Yang: Ohne Schwarz gibt es kein Weiß, ohne Licht keinen Schatten und es geht immer um einen Ausgleich, eine Harmonie. Feng Shui geht aber ganz schnell in die Tiefe und wird wirklich kompliziert. Dann steht es ja auch in Verbindung mit Architektur, mit traditioneller chinesischer Medizin, mit Mineralogie und Horoskopen. Darum finde ich es auch schwierig allgemeingültige Regeln aufzustellen. Es gibt ein paar hemdsärmlige Leute, die sich in den Raum stellen und sagen: Dort gehört Rot hin und dort drüben eine Pflanze und da hinten eine winkende Katze. Das ist dann aber nicht wirklich Feng Shui, bestenfalls gute Unterhaltung.
Kann denn Feng Shui auch nach hinten losgehen?
Vorsichtig wäre ich mit Wasser. Wasser ist ein Chi-Sammler. Vorsichtig sollte man darum sein, wenn es darum geht, einen Zimmerbrunnen aufzustellen. Das ist eine relativ starke Veränderung. Und wenn Sie den in die falsche Ecke stellen, kann es sein, dass er eine Veränderung bringt, die Sie gar nicht gut finden.
Was kann da passieren?
Vielleicht setzt man den Zimmerspringbrunnen ins vermeintliche Karriereeck und stellt auf einmal fest, dass man krank wird oder dass die Karriere total hängt, weil man ihn ins falsche Eck gestellt hat und eine destruktive Energie wachgerüttelt wird.
Wer alleine für sich Feng Shui betreibt, sollte also klein anfangen...
Richtig. Die Chinesen arbeiten viel mit Symbolik. Man muss sich darum nicht unbedingt einen Brunnen hinstellen. Man kann auch ein Eck blau anstreichen oder ein Bild von einem See oder einem Wasserfall hinhängen. Vorsichtig anfangen und beobachten, was passiert. Das hat auch etwas mit Zeit zu tun, wenn man das selber macht. Wenn etwas Seltsames passiert, vielleicht noch mal abhängen, nachdenken oder einen Profi engagieren.
Haben Sie einen Tipp für Feng Shui-Anfänger?
Der erste Schritt ist die bereits angesprochene Struktur. Hierzu gibt es ein wunderbares Buch, „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“. Der zweite Schritt ist, sich mal seinen Kleiderschrank anzuschauen. Welche Farben herrschen da vor? Das kann ein Hinweis darauf sein, welchem Element man zuzuordnen ist. Bei mir sind das zum Beispiel Weiß, Grau und Braun. Braun gehört zum Element Erde, Weiß und Grau zum Element Metall. Wenn man seine Farben bestimmt hat, kann man sich wieder ein Buch nehmen und nachlesen zu welchem Element man zählt, welche Formen, Farben und Materialien diesem zugeordnet sind und dann mal im Alltag beobachten mit was man sich umgibt.
Wenn ich mich für eine Feng Shui-Beratung interessiere, woran kann ich einen seriösen Berater erkennen?
Ein seriöser Feng Shui-Berater fragt nach den Geburtsdaten. Dazu gehören auch der Geburtsort und die Geburtszeit. Er wird nach dem Grundriss fragen und einen Lageplan der Wohnung haben wollen. Den bekommt man beim Katasteramt. Er wird per Kompass diese Lage des Hauses vermessen. Er wird in die Wohnung kommen, sich anhören, was bei den Bewohnern passiert, sich alles anschauen. Das ist ein wenig wie eine Anamnese beim Heilpraktiker. Der Berater wird sich anhören, was Ihr Problem ist, was Sie ändern wollen und wird nicht sofort sagen: Da Feuer, hier Wasser und da ein bisschen Erde und dann ist alles gut. Er wird sich umschauen, nach Hause gehen und dann mit einer Vorschlagsliste wieder kommen.
Wie teuer ist so eine Feng Shui-Beratung?
Feng Shui gibt es für jeden Geldbeutel. Es gibt die, die sagen, bau mir die Wohnung komplett um, und es gibt die, die sagen, ich habe eine Mietwohnung und kein Geld. Pauschalpreise gibt es keine, aber ein Richtwert sind etwa zehn Euro pro Quadratmeter Wohnfläche für einen Singlehaushalt.
Wohlfühlen kann ich mich aber auch nur, wenn mir der Einrichtungstil meiner Wohnung gefällt. Muss ich Angst haben, dass ich meine Wohnung nach der Feng Shui-Beratung nicht mehr wiedererkenne?
Nein. Ein Feng Shui-Berater ist kein Innenarchitekt. Wenn ich zu einem Kunden gehe und sage, dass in ein bestimmtes Eck Feuer gehört, dann gibt es die Auswahl zwischen Kerzen, einem Kamin, einem roten Bild, einer Pyramidenform. Das wird dann dem Kunden überlassen. Wenn ich Ihnen sage, Sie müssen in dieses Eck einen Zimmerspringbrunnen stellen, Sie aber Zimmerspringbrunnen nicht mögen, weil Ihnen das zu esoterisch ist oder in Ihre Wohnung nicht passt, dann funktioniert das auch nicht gut.
Es gibt also gar keinen speziellen Feng Shui-Einrichtungsstil?
Nach einer Feng Shui-Beratung muss und sollte Ihre Wohnung nicht aussehen wie ein Chinarestaurant. Die Prinzipien von Feng Shui lassen sich auf jeden Einrichtungsstil übertragen, man kann auch ein Biedermeierzimmer nach Feng Shui optimieren.
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