Es kommt die Zeit, da sind Prinzessin und Pirat im Kinderzimmer uncool. Ein neues Styling muss her – und am besten eins ohne Verfallsdatum
Spätestens, wenn an der Klinke das „Bitte nicht stö-
ren!“-Schild
hängt, wissen Eltern, dass
hinter dieser Tür kein Kind mehr wohnt.
Toch-
ter oder Sohn legt ab jetzt Wert
auf Privatsphäre und hat ganz individuelle Vorstel-
lungen davon, wie das eige-
ne Zimmer aussehen soll. Und dabei gilt vor
allem: Raus mit Prinzessin Lillifee
und Capt’n Sharky! Stattdes-
sen ziehen „Twilight“- und Skater-Helden ein. Während es früher wichtig war, auf dem Fußboden möglichst viel Platz zum Spielen und


rundherum jede Menge
Stau-
raum fürs Spielzeug zu ha-
ben, soll es
jetzt eine gemüt-
liche Lounge-Ecke und
der optimale Platz für die Sound-
anlage
sein. Denn die verän-
derten Bedürfnisse
der Ju-
gendlichen setzen auch bei
der Einrichtung neue Schwerpunkte.
HAUPTSACHE, ANDERS ALS DIE ELTERN
Der erste eigene Stil im Ex-
Kinderzimmer
muss – so lautet das „Naturgesetz“
der Abgrenzung – komplett an-
ders sein als
der der Eltern. Am preiswertesten lässt
sich das mit Wandfarbe, Kissen, Bettwäsche
oder einem
Wandtattoo umsetzen –
alle-
samt Dinge, die die Spröss-
linge selbst
aussuchen dür-
fen. Mehr Mitspracherecht
haben Eltern bei der An-
schaffung
der Möbel-Grund-
ausstattung. „Teenager
ver-
bringen viel Zeit mit Schul-
aufgaben“,
sagt Sarah Menz, Innenarchitektin
und Autorin aus Hamburg. „Deshalb
soll-
te der Schreibtisch auf jeden Fall eine
Nummer größer als bei Grundschülern
sein.“ Ide-
al für kleinere Räume sind
maßgeschneiderte Ecklö-
sungen. Hierhin
gehört auch der Computer, an dem Kids
und Jugendliche erfahrungs-
gemäß
einige
Zeit täglich verbringen. Da Ordnung in
diesem Alter kein entspann-
tes Thema ist,
rät die Ein-
richtungsexpertin zu genü-
gend
geschlossenem Stau-
raum. In offenen
Fächern findet hingegen Dekoratives
oder Schachteln mit Krims-
krams Platz.
BASISLAGER: TISCH, BETT, SCHRANK
Bei der Anschaffung von Mö-
beln empfiehlt
Sarah Menz schlichte und funktionale
Modelle: „Diese sollten ruhig
hochwertiger sein. So kön-
nen sie ein paar
Jahre später mit in die erste eigene
Woh-
nung umziehen.“ Neben dem Schreibtisch
zählt auch ein Sofa zur Basisausstattung.
Als Bett und Lümmelecke kommt
ein Podest mit Futon infrage. „Die Tür
des Jugend-
zimmers ist wahrscheinlich öfter
geschlossen, als den Eltern lieb ist“,
sagt Sarah Menz. „Teenager sind gern für
sich – ob allein oder unter Freunden –,
und das muss man bei den Heranwach-
senden
respektieren.“ In ei-
ner gemütlichen
Ecke, mit einem Sofa oder einer Ma-
tratze
und vielen Kissen las-
se sich nicht nur der erste Liebeskummer bequatschen, sie
sei auch eine gute Über-
nachtungsmöglichkeit
für Freunde, so die Innenarchi-
tektin.
Ist das Zimmer nicht
DIE EXPERTIN
Sarah Menz ist Innenarchitektin, Autorin – und als Mutter von zwei Mädchen kennt sie sich mit Kinderzimmern gut aus


UNSER NEST!
Lässig wohnen mit Familie“ von Sarah Menz zeigt, wie man jenseits der Paar-Zeit praktisch cool wohnt. Callwey, 24,95 Euro
groß genug für
Bett und So-
fa, ist eine Schlafcouch die beste
Alternative. Schränke dürfen gern extra large sein. „Der Trend geht jedoch
weg vom kompletten Kinderzim-
mersystem
hin zu einer le-
bendigen Mischung
von Stilen“, so Sarah Menz.
Siebenschläfer
heißt
das preisgekrönte
(Wochen-)Bett – aus
dem Teenies in der
Früh noch weniger aufstehen
wollen. Alle
Teile können ohne Werkzeug
zusammenge-
steckt
werden. Ab 640 Euro,
von Moormann
Alles noch im Rahmen
Das Quadrat auf Rollen kann als Wandregal oder Raumteiler benutzt werden. Passende Aufbewahrungsboxen gibt’s dazu. „Bücherregal 3 first collection“ von junior living, ca. 300 Euro
Und er dreht sich doch
Bei diesem Medienraum-
teiler
lässt sich der Fern-
seher (ohne Kabelsalat)
in die Wunschposition bewegen –
DVD- und CD-Stauraum inklusive. „Set one 1100“
von Musterring ca. 1200 Euro
Leucht-Smarties
Wie bunte Drops hängen die Pendellampen aus Methacrylat von der Decke. Wer sich nicht für eine Farbe entscheiden kann: Als kleine Gruppe sind sie ein Hingucker. „FL / Y“ von Kartell, je ca. 165 Euro
Unbekanntes Akustikobjekt
Der Zeppelin
ist kein Spiel-
zeug, sondern ein Laut-
sprecher für
den iPod. Die spezielle Soundtechnik sorgt für besten Klang. „iPod Speaker
System“ von B & W, ca. 600 Euro
Rocking Chair
Hinsetzen
und Musik hören oder fernsehen – Lautspre-
cher
und Chinch-Stecker in diesem Multimediasessel
machen es möglich.
Nur Schaukeln geht natürlich auch. „Music
Rocker“ über Otto, ca. 110 Euro
Der Knick ist der Knackpunkt
Vorn wird geschrieben, hinten können Bücher, Ordner etc. abgelegt werden. In vier Größen erhältlich. „Kant Sekretär“ von Moormann, ab 1060 Euro
Die üblichen Verdächtigen
Die Zeiten ändern sich, Teenie-Klassiker (fast) nicht
Kickertisch:
Ein Turnierkicker ist eine Anschaffung fürs Leben – und zieht dann mit in die Studentenbude.
Kleiderstange auf Rollen:
Mode will präsentiert werden. Und: Der mobile Kleiderschrank ist ideal zum Flohmarktmachen.
Sitzsack:
Sessel sind spießig, Sitzsäcke nicht. Die gibt’s in vielen Farben, und bei Nichtgebrauch lassen sie sich in eine Zimmerecke knautschen.
Boxen / Hutschachteln:
Alles, was sich im Laufe der Jahre ansammelt, kommt hier unter und wird hübsch gestapelt.
Telefon:
Technik sei Dank – seit ISDN sind mehrere Nummern pro Anschluss möglich. Geben Sie Teenies ihre eigene Telefonnummer, so plauscht sich’s ungestört.