Miniküchen lassen sich großschummeln. Alles, was Sie dazu brauchen, ist eine gute Planung, die passenden Möbel und ein paar Stylingideen, mit denen Sie den meistgenutzten Raum der Wohnung apettitlich garnieren können
Johnny Depp, Tom Cruise – so mancher Traummann aus Hollywood ist klein. Warum sollte das nicht auch für Traumküchen gelten? Tat-
sächlich sind unwesentlich größere Kochnischen von sieben bis zehn Quadrat-
metern besonders effizient und vorteilhaft: Denn laut Studien beträgt der ideale Abstand zwischen Herd, Spüle und Kühlschrank in
einer ergonomischen Küche höchstens ein paar Schritte. Bei der Auswahl von Möbeln für die Raummitte sollten Sie auf Bewegungsfreiheit ach-
ten.
Mobile Servierwagen et-
wa kann man je nach Ar-
beitsbedarf hervor und wieder in die Ecke rollen. Wie Sie aus kleinen Küchen noch mehr herausholen, möchten wir Ihnen anhand dieser drei einfallsreichen Beispiele zeigen.



Nur zehn Quadratmeter groß ist diese Berliner Küche. Dass sie dennoch großzügig wirkt, verdankt sie neben ihrem türlosen Zugang den in Längsrichtung verlegten Holzdielen. Dies verleiht zusätzliche Tiefe. Hohe Elektrogeräte und der Vorratsschrank wurden direkt hinter der Wand im Eingangsbereich platziert, so erscheinen sie weniger massig und können den Raum optisch nicht erdrücken. Auf Wandschränke wurde konsequent verzichtet. Stattdessen zieren viele Küchenhelfer auf offenen Boards und an Aufhängesystemen die Wand rund um den Herd. So ist außerdem alles, was man zum täglichen Kochen braucht, sofort griffbereit. Ein weiterer Blickfang ist die Edelstahlarbeits-fläche, deren metallisch-matte Optik perfekt zu den cremefarbenen Einbauschränken passt.
Dass XS-Küchen nicht immer schlicht sein müssen, um als Scheinriesen zu beeindrucken, beweist dieses Beispiel: Auf nur acht Quadratmetern sind Küchenzeile, gesammelte Schätze von Flohmärkten und Secondhandläden und sogar noch ein Essplatz untergebracht – überfrachtet erscheint der Raum dennoch nicht. Bunt ist durchaus erlaubt, allerdings sollten die Wände in einem einheitlichen Ton gehalten sein. Das in diesem Beispiel gewählte Smaragdgrün taucht auch als Tischanstrich auf. Farbenfrohe Tupfer dürfen dann die vielen hübschen Accessoires in den Regalen spielen. Und wer seine Sammelleidenschaft gar nicht zügeln mag, der kann auch den Boden als Ausstellungsfläche nutzen – unter dem Tisch wurde hier ein apartes Stillleben inszeniert.


Eigenwillig geschnittene Räume erfordern spezielle Lösungen: In dieser acht Quadratmeter großen Altbauküche haben die Bewohner Maßanfertigungen zum Stellen und Hängen gewählt, damit jeder Millimeter Platz genutzt werden kann. Die Unterschränke reichen nicht bis zum Fußboden, so erscheinen sie weniger massiv. Gleiches gilt für die Schiebetüren aus milchigem Plexiglas. Offen stehende Klapptüren würden nur in den Raum hineinragen, aufgeschoben aber stören sie nicht. Und Hobbyköche haben, wenn nötig, freien Zugriff auf alle Gerätschaften. Wenn es keine ausreichend große Arbeitsplatte gibt, wählen Sie flexible Modelle, die sich ausziehen oder klappen lassen. Wichtig in Miniküchen ist auch das Licht: Eingebaute bzw. versenkte Leuchten erhellen den Arbeitsbereich am effizientesten.
Wer gern reist, wird sich
auch in dieser (Single-) Küche zu Hause wohl-
fühlen.
Einmal aufklappen, schon kommen Spüle,
Kühlschrank, Kochplatten etc. zum Vorschein.
„Kit Case“ von Pro Art, ab 6070 Euro
Dieser bewegliche
Kubus hat (fast) alles, was man zum
Kochen braucht – eine Arbeitsfläche, einen
Kühl-
schrank, ein Kochfeld sowie Schubfächer
und Türen mit Aufbewahrungs-
systemen.
„Minikitchen“
von Boffi, Preis auf Anfrage
BUCH-TIPP
22 kleine Küchen, darunter maßgeschneiderte und improvisierte Modelle, sind im Buch „kleine küchen“ (DVA, 39,95 Euro) vorgestellt und bieten Inspiration für jeden Geschmack

Fünf Küchenfreunde
Kühlschrank, Spüle, Ceranfeld, Mikrowelle, und Geschirrspüler teilen sich einen 1,50 Meter breiten Schrank. Miniküche „MKGSMES 150“ von Limatec über Otto Office, ca. 1550 Euro
Effektvolle Rezepte
Und noch ein paar Zutaten, mit denen Sie jede Kochnische eine Nummer größer zaubern
Drehscheibe
Als Raum im Raum funk-
tioniert
die drehbare „Circle Kitchen“. Ideal für Apart-
ments und Wohnland-
schaften.
Für den Genie-
streich gab’s den „Red Dot
Design“-Preis. CC-Con-
cepts, ab 8000 Euro

Glanz auch in der kleinsten Hütte:
Optische Hochstapler in Sachen Größe sind helle Farben und reflektierende Oberflächen, zum Beispiel Edelstahl oder Glas.
Blick in die Weite:
Manchmal genügt schon ein Fenster mit Aussicht oder eine größere Durch-
reiche mit Blick ins Nach-
barzimmer, um dem Raum die gefühlte Enge zu neh-
men. Hilfreich sind auch transparente Türen.
Größe steckt im Detail:
Kleinigkeiten wie Griffe, Kanten und Materialüber-
gänge nicht vernachläs-
sigen – das Gesamtbild sollte stimmig sein, damit sich keine Unruhe breit-
macht. Sammeln erlaubt aber Sammelsurium nicht!