Schlafen wie anno dazumal, aber mit dem Komfort von heute – das ist Ottmar Dietrichs Mission. Der Ingenieur stöbert in Frankreich Eisenbetten aus dem 19. Jahrhundert auf und restauriert sie in seiner hessischen Werkstatt
Für Ottmar Dietrich, 44, war es Liebe auf den ersten Blick. Auf einem kleinen Schrottplatz in Frankreich entdeckte er 1992 unter einem Baum ein altes Bett-
gestell aus Eisen. Ein ver-
schnörkeltes Prachtexem-
plar, verborgen unter einer dicken Schicht Rost und alter Farbe. Das Kopfteil nahm der Ingenieur mit nach Deutschland
und baute sich daraus zunächst einen Raumteiler. Ein Jahr später holte er sich auch noch das Fußteil und schweißte aus beiden wieder ein Bett zusammen.
SAMMLER AUS LEIDENSCHAFT
Es blieb nicht bei einem Ge-
stell. „Zuerst habe ich ein Bett für einen Freund gebaut, dann wurden es immer mehr“, erzählt Dietrich. 1996 machte er sich als Metallbet-
tenrestaurator selbstständig. Seitdem pendelt er zwischen dem hessischen Volperts-
hausen und Frankreich hin und her. Dort hat er einen festen Stamm an Trödlern, von denen er die Metallbet-
ten bezieht, die aus der Zeit zwischen 1880 und 1930 stammen. In seiner Werk-
statt in Deutschland sam-
melt er die industriell gefer-

SAMMLER AUS LEIDENSCHAFT
tigten Gestelle. Sobald er zwei Betten des gleichen Modells gefunden hat, be-
ginnt er mit dem Umbau. Mit Drahtbürsten und einer Strahlanlage entfernt er Rost
und Farbe. Dann zersägt er die schmalen Kopf- und Fußteile und schweißt sie zu je einem großen zusam-
men. Dazwischen baut er ein Metallgestell, auf das ein normaler Lattenrost passt.

Aufgemöbelt
Von den Fundstücken aus Frankreich entfernt Ottmar Dietrich Rost und alte Farbe, verschweißt sie zu größeren Betten und verpasst ihnen einen frischen Anstrich

EIN BETT FÜRS LEBEN
Ottmar Dietrich arbeitet meist auf Bestellung und nach den individuellen Wünschen seiner Kunden. Je nach Größe und Beschaffenheit kosten die restaurierten Eisenbetten zwischen 1200 und 3800 Euro. Eine Anschaffung fürs Leben, denn die Betten sind keine sensiblen Antiquitäten, sondern stabile Möbelstücke. „Ich schaffe eine Synthese aus Alt und Neu“, sagt Dietrich. „Es ist ein Kompromiss aus neuen Anforderun-gen an Komfort und der Schönheit alter Dinge.“

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BETTGRÖSSE
Vor rund 100 Jahren waren
Betten kleiner, meist nur 1,90 Meter lang und 1,20 Meter breit. An ein moder-
nes Gestell geschraubt, sehen die antiken Kopf- und Fußteile dekorativ aus, ohne zu beengen.
LATTENROST
Er wurde erst in den 1950 er-Jahren erfunden. Vorher lagen Matratzen auf Draht-
gittern . Beide bekamen schnell Kuhlen und quie-
tschten. In die restaurierten Betten passt natürlich auch ein Lattenrost hinein.
BODEN SCHONEN
Vor allem auf Holzböden können Eisenbetten unschöne Kratzer hinterlassen. Unter die Metallfüße sollten Sie daher passende Filzstücke (z. B. von www.filz gleiter.de) kleben.