Stilsicher kombinert

Manche Trends sind Eintagsfliegen, andere werden zu Klassikern. Wir möchten Ihnen drei Highlights der Designgeschichte vorstellen, die auch heute noch aktuell sind

Es war nicht Walter Gropius und der Bauhaus-Stil. Tat-
sächlich waren die Shaker im 18. Jahrhundert die Er-
sten, die ihre Möbel vom Schnickschnack befreiten. Die 1774 von Ann Lee ge-
gründete US-Gemeinde glaubte daran, das „Reich Gottes auf Erden“ erschaffen zu können. Ihr Streben nach Perfektion spiegeln ihre Er-
findungen wider. Diese neh-
men wir noch heute in die Hand: Kreissäge, Wäsche-
klammern und Flachbesen. Damit alles griffbereit ist, fin-
den die Gegenstände des täglichen Gebrauchs an um-
laufenden Wandleisten ihren

Shaker

zweckmäßig, harmonisch, zeitlos

„Ordnung ist der Ursprung der Schönheit“, so der Leit-
gedanke der Shaker-Ge-
meinschaft. Ihr Wohnstil ist begehrter denn je
Tischlerei Seeland

Platz. Selbst die Stühle sind so designt, dass sie wäh-
rend der Fußbodenreinigung an Haken gehängt werden können. Klassiker unter den Kirschholzmöbeln sind Ti-
sche mit Rollen und Spros-
senstühle mit geflochtenem Sitz.

Shaker Farbe

Natürliche und warme Farbtöne - bunt ist tabu

Shaker Form

Klar, funktional, nur Minimalschnörkel sind erlaubt

Shaker Material

Ins Wohnzimmer kommen nur Kirsch- und Ahornholz

Popart

bunt, multifunktional, rebellisch

Verner Panton ist Design-
vorbild für die verspielten Stilbrüche der Sixties. Sein Ziel: „Menschen anzur-
egen, ihre Vorstellungskraft zu nutzen.“

Popart Farbe

Rot, Gelb, Grün, Blau - am Besten alles auf einmal

Pop-Art ist Kunstepoche, Designstil und Lebensgefühl in einem. Keine andere Zeit hat die Vorstellung von Äs-
thetik so entscheidend ge-
prägt. Sie nahm ihren Weg ab Mitte der 50er von Groß-
britannien nach Amerika. Zum Kult gehörte auch die Kommerzialisierung alles Trivialen: Ob Werbemotiv oder Konsumgut, alles be-
kam plötzlich eine künst-
lerische Bedeutung. Kitsch und Nippes sammeln galt als cool, Eichenschrankwände als absolutes No-go. Für den unverwechselbaren Wohnstil bedeutet das Spiel mit Stil-
en, Farben und Konturen: Großgemusterte Vorhänge,

plüschige hochflorige Teppi-
che und schrille Tapeten ge-
ben ebenso den Ton an wie transparente Plastik- Junk- Accessoires. Wohn-, Schlaf- und Arbeitsraum zerfließen häufig multifunktional inein-
ander. Überdimensionierte Designobjekte – zum Bei-
spiel Leuchten oder Lounge-
sessel – sind erste Wahl. Und: Dekoration ist wichtiger als Funktionalität. Ein Pop- Art-Highlight ist der „Wire Cone Chair“ von Verner Pan-
ton (siehe Foto). Der kegel-
förmige Stuhl aus silber-
grauer Drahtkonstruktion scheint die Gesetze der Sta-
tik mühelos außer Kraft zu setzen.

Popart Form

Rund und fließend - das gilt für Sitzmöbel wie für Schränke

Popart Material

Plastik und glänzende Materialien. Holz sollte draußen bleiben

Black & White Farbe

Schwarz und Weiß, sonst sind höchstens Pastelltöne erlaubt

Black & White

kontrastreich, edel, markant

Hier fällt jeder Farbklecks auf. Das Prinzip der Optical Art lautet deshalb: „Die Form folgt immer der Fantasie.“

Schwarz und Weiß sind ein Spitzenpaar. Kombiniert mit Möbeln in geometrischem Design und transparenten Accessoires ergeben sie einen hochwertigen Wohn-
stil. Die in den 80er-Jahren wiederbelebte Strömung geht auf die Kunstrichtung der Optical Art (auch Op-Art) zurück. Sie wurde von den Künstlern Bridget Riley und Victor Vasarely parallel zur Pop-Art initiiert und setzte vor allem auf abstrakte Mus-
ter. Weil die Künstler von den physikalischen Geset-
zen der Optik fasziniert wa-
ren, wollten sie gezielt irri-
tieren. Das schlägt sich auch im Wohnzimmer als

plakativer Mix unterschied-
licher Dekors nieder. Man findet Punkte Seite an Seite mit Streifen und Blumen-
muster neben Karos. Haupt-
sache, das optische Verwirr-
spiel ist perfekt. Damit es nicht allzu durchkomponiert wirkt, können großformatige Bilder oder Designobjekte das Ambiente auflockern. Die kontrastreichen Farben lassen den Raum zu kühl erscheinen? Nicht, wenn sich die Schachbretttöne auf verschiedenen Materialien wiederholen. Auf Lack, Leder oder Stoff wirken Schwarz und Weiß unterschiedlich. Perfekt sind auch graue oder kühle Pastell- Farbtupfer.

Black & White Material

Basics sind Lack und Leder. Etwas Plüsch schafft Gemütlichkeit

Black & White Form

Mathematik lässt grüßen: Bitte alles geometrisch, nicht barock